Rostocker Fahrradforum

Fahrradformum am 11.3. / Gutenbergstrasse

Sehr geehrter Herr Flachsmeyer, sehr geehrter Herr Nozon,

als Einwohner von Dierkow-Ost und als Gast nahm ich an der gestrigen Sitzung des Fahrradforums teil – und bin ziemlich erschüttert. Am Thema „Gutenbergstraße“ spielt(e) sich offenbar im Kleinen ab, was wir kritischen Bürger Rostocks oft auch bei größeren Vorhaben wahrnehmen: Es werden Aspekte einfach ausgeblendet/geleugnet, um bestimmte Interessen durchzusetzen.

Der MIV-Präsentation entnehme ich folgende, anteilig unzutreffende Aussagen und kommentiere letztere in Kursivschrift:

  1. Radverkehr muss die Fahrbahn benutzen (StVO) – aber nur dann, wenn kein gesonderter Radweg vorhanden ist.
  2. erwachsene Radfahrer(innen) nutzen regelwidrig die Gehwege – Plural falsch, es gibt nur einen Gehweg auf der Häuserseite. Und es fahren nur wenige Radfahrer auf dem Gehweg, u.a. deshalb, weil er in einem miserablen Zustand ist.
  3. Lkw-Anteil ca. 1% (gering) – das entspricht nicht den Wahrnehmungen von uns Anwohnern. Der Lkw-Anteil ist höher, zusätzlich sollten die zeitweilig haltenden Lkw*s (Warenanlieferungen) berücksichtigt werden.
  4. Gutenbergstraße ca. 560 Kfz/h – diese Zahl mag aus der Zeit stammen, in der der Petridamm gesperrt war. Unter normalen Bedingungen ist die Zahl der Kfz/h deutlich geringer.
  5. Im Rahmen der Deckenerneuerung sind aufgrund der örtlichen Gegebenheiten (beidseitige Baumallee) und der vorgegebenen begrenzten Fahrbahnbreite von ca. 8,00m Schutzstreifen die einzige Möglichkeit, die Sichtbarkeit des Radverkehrs in der Gutenbergstraße zu verbessern und somit die Verkehrssicherheit zu erhöhen – das gilt aber nur, wenn der vorhandene, gesonderte Radweg ignoriert wird! Wenn MIV die Baumstandorte aus geoport-hro entnehmen konnte, dann war/ist das zweifellos auch  für den Radweg möglich, aber offenbar vorsätzlich nicht gewollt – weil dann das „Problem“ der Sichtbarkeit auf der Straße entfällt.

Es drängt sich eine Analogie zur Situation in der Langen Straße auf: Die Radfahrer werden ohne Not in den fließenden Kfz-Verkehr  gezwungen. Unter solchen Bedingungen von einer Erhöhung der Verkehrssicherheit zu sprechen, halte ich für makaber.

„Autoverkehr sollte grundsätzlich unattraktiver gemacht werden“ – diese fragwürdige Aussage findet sich auch im Fahrradforum. Da ich altersbedingt nicht mehr radfahren kann, sondern im Bedarfsfall auf meinen Pkw angewiesen bin, könnte ich mich auf die gegenläufige Position stellen und fordern (auch angesichts des recht häufigen Fehlverhaltens von Radfahrern), die Radfahrer nicht unnötig zu begünstigen. Beide Sichtweisen halte ich kommunalpolitisch für nicht haltbar.

Wer beim Begriff „kommunal“ nachschlägt, landet bei (nahezu) allen Quellen bei derselben Ausgangsdefinition: „lateinisch communalis = zur ganzen Gemeinde gehörend“. Partikularinteressen sollten/können auf Dauer nicht die „ganze Gemeinde“ dominieren – weder die Interessen der Radfahrer noch die der anderen Verkehrsteilnehmer.

Jetzt bin ich allerdings nicht mehr in der Gutenbergstraße, sondern im Rathaus und seiner Verwaltung gelandet. Das ist ein zu weites Feld für eine Email.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Günter Hering

Kommentiere oder hinterlasse ein Trackback: Trackback-URL.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..